Die Wertschoepfung verschwindet 2017-10-21T16:14:42+00:00


Dr.-Ing. Oliver Prause
studierte Maschinenbau und promovierte in Werkstoffwissenschaften an der TU München. Nach mehreren operativen Führungsaufgaben ist er seit vielen Jahren für die Umsetzung von ganzheitlichen Wertschöpfungssystemen in Unternehmen verantwortlich. Weiterhin ist er als Dozent für Wertschöpfungsmanagement tätig. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des „Institut für Produktionserhaltung e.V.“

Die Wertschöpfung verschwindet

In den letzten Jahrzehnten hat die Wertschöpfungstiefe in den europäischen Hochlohnländern kontinuierlich abgenommen. Auf lange Sicht wird dies unseren erworbenen Wohlstand schmälern. Ordnungspolitisch setzen wir dieser Entwicklung nichts Wirkungsvolles entgegen. Einerseits wird der Markt überreguliert bis auch die letzten unternehmerischen Ambitionen erstickt sind. Andererseits werden dringend erforderliche Rahmenbedingungen nicht gesetzt, mit katastrophalen Folgen wie Finanzkrisen, Arbeitslosigkeit und Verarmung. Im Scharmützel der politischen Interessen und des klientelgesteuerten Lobbyismus bleibt es meist bei mediokeren Entscheidungen, die unternehmerische Tätigkeit unterminieren. Leichthin wird schließlich auf die unternehmerische Verantwortung verwiesen.

Schnelleres Umsatzwachstum, weniger Mitarbeiter und steigende Renditen stellen meist die Maximen unternehmerischen Handelns dar. Die „ultima ratio“ unternehmerischer Entscheidungen erschöpft sich darin, die Entwicklung und Produktion in Niedriglohnländer zu verlagern. Der Weg zum exzellenten Unternehmen unter Hochlohnbedingungen beginnt in der Führung. Der oberste Führungskreis steht sich häufig selbst im Weg und leitet mit angezogener Handbremse den Wandel. Anstatt die unangenehmen Veränderungen selbst zu führen, wird diese Aufgabe gerne delegiert. Stillschweigend werden die Allianzen der Verhinderer geduldet, um den Betriebsfrieden nicht zu stören. Die meisten Manager scheitern meist auf dem Weg zur Wertschöpfungsexzellenz.

Kundenorientierung und verschwendungsfreie Prozesse in allen Bereichen des Unternehmens ist ein weitverbreiteter Anspruch, der auch die Unternehmenskommunikation durchzieht. Leider liegt die praktische Umsetzung weit hinter dem Anspruch zurück. Der Fokus der Verbesserungsaktivitäten liegt häufig in der Produktion, während die immensen Potenziale in der Entwicklung und Verwaltung unberührt bleiben. Prozesse, die anerkanntermaßen ohne jeglichen Nutzen für den Kunden sind, werden wie heilige Kühe behandelt. Konsequenz wird in der Realität zum Fremdwort.

Gerne wird der Mitarbeiter in den Mittelpunkt gerückt, wo er dann meist im Weg steht. Der Mitarbeiter wird überwiegend als Ressource und Kostenfaktor angesehen und weniger als Wissensträger und Wertschaffender. Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser“ durchziehen noch immer vielfältige Überwachungssysteme die Unternehmen. Die vor sich hin dümpelnden Verbesserungs(un)wesen beklagen die mangelnde Kreativität und Ideen der Belegschaft. Doch die kulturelle Veränderung vom Befehlsempfänger zum eigenverantwortlichen Mitarbeiter dauert Jahre.