Moral braucht Ökonomie 2017-10-21T16:15:37+00:00


Prof. Dr. Dr. Karl Homann
promovierte zum Dr. phil., Dr. rer. pol. und habilitierte in Philosophie. Nach der Professur für Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Universität Witten/ Herdecke war er der erste Inhaber des Lehrstuhles für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Eichstätt. Zuletzt war er Professor für Philosophie unter Berücksichtigung der Wirtschaftsethik an der LMU München.

Moral braucht Ökonomie

Wir alle kennen zahllose Beispiele aus dem Alltag moderner, globaler Marktwirtschaft, in denen sich moralisches Verhalten – also Integrität, Ehrlichkeit, Fairness, Verlässlichkeit, Solidarität, Respekt vor dem Partner, dem Mitarbeiter oder Konkurrenten – gerade nicht auszahlt.

Es gibt keinen Automatismus von Moral und Erfolg. Damit gilt für alle Beteiligten, und zwar auch für solche, die den Wettbewerb eigentlich gar nicht wollen, dieselbe Logik der unablässigen Bemühung um Maximierung der Ressourcen. Zu diesen Ressourcen zählen Macht, Geld, Kapital, Wissen, Unterstützung und anderes mehr.

Aus dieser Logik resultiert das grundlegende Problem für die Moral in der modernen Marktwirtschaft: Wer unter Bedingungen des Wettbewerbs moralisch motivierte Vor- und Mehrleistungen, die nicht vom Markt honoriert werden, erbringt, läuft Gefahr, von seinen weniger moralischen Konkurrenten ausgebeutet zu werden.

Moral kann im Alltag nur dann systematisch praktiziert werden, wenn sie – nicht in jedem Einzelfall, aber per Saldo – dem Akteur Vorteile bringt, und es ist Aufgabe der Ordnungspolitik – und des Managements –, die Handlungsbedingungen so zu gestalten, dass Moral im Wettbewerb nicht systematisch ausgebeutet werden kann beziehungsweise durch systematische Fehlanreize erodiert.

Individuelle Selbstbindung. Dahinter steht die Auffassung, dass mit Moral im Wettbewerb Vorteile erzielt werden können. Moralisches Handeln wandelt sich von einem Kostenfaktor zu einem Produktionsfaktor beziehungsweise zu einer Investition. Moral verlangt danach keinen Altruismus und keine Opfer ohne Gegenleistung, es geht vielmehr um gegenseitige Vorteile.

Es ist eine überaus anspruchsvolle Aufgabe des Managements, Moral zu einem Produktionsfaktor zu entwickeln. Ganz besonders ist eine gute Unternehmenskultur erforderlich für Produktionsbetriebe, die aufgrund des Hochlohnstandorts Deutschland auf permanente Innovationen in Produkten und Prozessen angewiesen sind. Hier liegt ein enormes Wertschöpfungspotenzial, das ohne die Voraussetzung im weiten Sinne moralischen Verhaltens der Führung nicht zu heben ist.