Deutschland 2035 beginnt jetzt
Ein Plädoyer für industrielle Investierbarkeit und Umsetzungskraft.
Ein Beitrag von Lothar Dörr.
Einordnung 2026: Der Beitrag erschien ursprünglich 2025. Seine zentrale Frage bleibt: Welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, damit industrielle Wertschöpfung, Investitionen und technologische Handlungsfähigkeit auch 2035 in Deutschland verankert sind?
Worum es in diesem Beitrag geht
Industrielle Zukunftsfähigkeit entsteht nicht aus einer Einzelmaßnahme. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Infrastruktur, Regulierung, Qualifikation, Digitalisierung und Investitionsbedingungen – und die Fähigkeit, daraus schneller umsetzbare Entscheidungen zu machen.
Der Wohlstand von morgen entscheidet sich heute: durch Investitionen, verlässliche Rahmenbedingungen und die Fähigkeit, technologische Erneuerung in industrielle Umsetzung zu übersetzen. Deutschlands Herausforderung liegt dabei weniger in fehlender Innovationsfähigkeit als in der Frage, ob Infrastruktur, Regulierung, Qualifikation und Investitionsbedingungen mit dem Veränderungstempo der Industrie Schritt halten.
Dabei ist die Richtung klar: Wenn die Wertschöpfung hierzulande erhalten bleiben soll, braucht es mehr als Appelle – es braucht politisch flankierten Wandel und den Mut, bestehende Regeln zu hinterfragen. Der Beitrag von Klaus Wessing zeigt, wo angesetzt werden muss – und warum „Made in Germany“ mehr sein muss als ein Etikett. Es ist eine Haltung. Und ein Versprechen.
Deutschland am Wendepunkt
Deutschland steht an einem Wendepunkt. Die industrielle Basis unseres Landes ist ins Rutschen geraten. Nicht wegen mangelnder Innovationskraft – unsere Ingenieurinnen, unsere Fachkräfte und unsere Unternehmen leisten nach wie vor Herausragendes. Sondern weil wir den Rahmen, in dem Wertschöpfung und Wohlstand entstehen, zu lange vernachlässigt haben.
Wir sehen einen Investitionsstau, der nicht nur Maschinen betrifft, sondern auch Menschen und Ideen. Wir sehen einen Fachkräftemangel, der aus einem Standortvorteil eine Wachstumsbremse macht. Und wir sehen eine Digitalisierung, die zu oft in PowerPoint-Präsentationen endet, statt Prozesse wirklich zu verändern.
Der internationale Wettbewerb um Investitionen, Technologien und industrielle Skalierung hat sich verschärft. Deutschland kann dabei nicht allein auf seinen Ruf aus vergangenen Jahrzehnten vertrauen. „Made in Germany“ bleibt dann ein wirtschaftliches Versprechen, wenn Qualität, Zuverlässigkeit und industrielle Tiefe mit Geschwindigkeit, digitaler Kompetenz und Investitionsfähigkeit verbunden werden.
Doch heute stehen sie an einem kritischen Punkt: Sie wollen investieren, sie wollen modernisieren. Aber ihnen fehlen Infrastruktur, digitale Plattformen, praxisnahe Fördermodelle – und Orientierung.
Hier setzt INFPRO an: Das Institut ordnet industrielle Herausforderungen ein und übersetzt sie in Fachbeiträge, Studien und Managementinstrumente für Produktion, Wertschöpfung, Wissen und KI.
Wenn wir den Wohlstand unseres Landes sichern wollen, brauchen wir eine neue Balance: zwischen technologischer Erneuerung und wirtschaftlicher Realität, zwischen Innovationskraft und Gestaltungswille.
Die entscheidende Konsequenz lautet: Ein großer Teil der Standortqualität ist gestaltbar. Energie- und Infrastrukturbedingungen, Genehmigungstempo, Qualifikation, Digitalisierung und Investitionslogik sind keine abstrakten Größen, sondern konkrete Management- und Politikfelder.
Hausgemachte Probleme, vorhandene Stärken
Viele Standortprobleme entstehen nicht aus einem einzigen Defizit, sondern aus dem Zusammenspiel von Regulierung, Infrastruktur, Energie, Fachkräfteverfügbarkeit, Investitionsbedingungen und Umsetzungsgeschwindigkeit. Gleichzeitig verfügt Deutschland weiterhin über technologische Tiefe, industrielle Erfahrung und starke Unternehmen. Entscheidend ist, ob diese Stärken unter verlässlichen Rahmenbedingungen in neue Investitionen übersetzt werden können.
Dafür braucht es keine einzelne politische Losung, sondern eine belastbare Umsetzungsarchitektur: klare Zuständigkeiten, schnellere Verfahren, investitionsfähige Infrastruktur, Qualifizierung und die Bereitschaft, bestehende Regeln regelmäßig auf ihre Wirkung auf industrielle Wertschöpfung zu prüfen.
Wertschöpfung entsteht dort, wo Ideen zu Produkten werden, Forschung zur Anwendung kommt und Unternehmen die Möglichkeit erhalten, zu gestalten statt nur zu reagieren. Deutschland hat das Potenzial, eine industrielle Zukunft zu sichern, die nicht auf Vergangenem ruht, sondern neue Perspektiven schafft – für Unternehmen, für Regionen, für die Gesellschaft.
Was jetzt zählt
- Infrastruktur, die verbindet – nicht trennt.
Digitalisierung funktioniert nicht im Stückwerk. IT, OT und physische Prozesse müssen zusammen gedacht werden – gerade in gewachsenen Produktionslandschaften. - Politische Steuerung, die ermöglicht – nicht verhindert.
Arbeitszeit, Datenschutz, Förderprogramme: Wenn wir nicht bereit sind, unsere Regeln an die Realität anzupassen, bleiben wir Zuschauer in einem Spiel, das wir einmal anführten. - Unternehmertum, das sich traut.
Innovation entsteht nicht aus Risikoaversion. Sondern aus Experimentierfreude, Vertrauen – und der Fähigkeit, auch mal zu scheitern, um daraus zu lernen.
Genau hier setzt INFPRO an. Studien, Publikationen, Events und Managementinstrumente verbinden Einordnung mit Anwendung. Vertiefend führen die heutigen Bereiche Produktion & Standort, Wertschöpfung und KI & Technologie diese Fragestellungen weiter.
Bild: Erstellt mit (c) DALL-E von OpenAI.

Klaus Weßing
Vorstandsvorsitzender des Instituts für Produktionserhaltung e.V.
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