Impulspapier Wertschöpfung
Nachhaltige Wertschöpfung 2035 entsteht nicht durch Effizienzsteigerung allein – sondern durch die konsequente Integration digitaler Technologien, intelligenter Systeme und strategischer Industriepolitik.
Das Papier verbindet Erkenntnisse aus Studien, Best Practices aus Industrie und Forschung sowie die Expertise des infpro-Netzwerks und richtet sich an alle, die Verantwortung für Transformation tragen. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Management Summary – Impulspapier „Nachhaltige Wertschöpfung 2035“
Deutschland steht vor einer industriepolitischen Zäsur. Global fragmentierte Märkte, technologische Umbrüche und ökologische Zielkonflikte verändern die Grundlagen von Produktion und Wertschöpfung – dauerhaft. Was heute noch als Standortvorteil gilt, kann morgen bereits zur strukturellen Schwäche werden. Das neue Impulspapier von infpro liefert ein realistisches, aber konstruktives Szenario für das Jahr 2035 – und skizziert die notwendigen Weichenstellungen im Hier und Jetzt.
Die Lage wirkt aktuell etwas freundlicher, der Befund bleibt ernst Der Produktionsstandort Deutschland zeigt im Frühjahr 2026 wieder Bewegung. Einzelne Konjunkturdaten hellen sich auf, Stimmungsindikatoren wirken weniger düster als noch vor wenigen Monaten, und in Teilen der Industrie wächst die Hoffnung auf Stabilisierung. Dieser freundlichere Eindruck trägt jedoch noch keine tragfähige Entwarnung. Der industrielle Kern bleibt unter Druck, weil mehrere Belastungen zugleich wirksam sind: hohe Energiekosten, ein härter gewordenes außenwirtschaftliches Umfeld, langsame Genehmigungen, neue technologische Anforderungen und die wachsende Abhängigkeit von Daten, Software und Rechenleistung. Für infpro ist genau dieser Punkt entscheidend. Die Standortfrage wird heute früher entschieden als noch vor wenigen Jahren. Früher stand am Ende die Fabrik. Heute beginnt die Prüfung bereits davor: beim Strompreis, bei der Verfügbarkeit von Infrastruktur, bei der Geschwindigkeit von Entscheidungen, beim Zugang zu Daten und bei der Fähigkeit, operative Störungen rasch zu verarbeiten. Wertschöpfung entsteht weiterhin in der Fertigung. Ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit hängt aber inzwischen an deutlich mehr Voraussetzungen.
Management Summary – Tacit Knowledge und KI: Warum Erfahrungswissen zum Produktionsfaktor wird“
Deutschland steht vor einer industriepolitischen Zäsur. Global fragmentierte Märkte, technoloManagement Summary: Die unterschätzte Wertschöpfungsfalle Industrieunternehmen investieren in KI, Sensorik und Smart Factory, doch eine zentrale Ressource entzieht sich oft dem Blick: das Erfahrungswissen der Facharbeiter, Meister und Instandhalter. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer verliert die Industrie nicht nur Arbeitskräfte, sondern Produktionsgedächtnis. Dieses implizite Wissen entscheidet über Qualität, Ausschuss, Rüstzeiten, Stillstände, Lieferfähigkeit und Marge. Das Problem ist nicht neu; Ausbildung, Meistersystem, Standards, Kaizen und Lessons Learned dienten schon immer dem Wissenstransfer. Neu ist die Größenordnung: Ganze Jahrgänge verlassen die Betriebe, während Anlagen komplexer und Personaldecken dünner werden. Künstliche Intelligenz kann dieses Wissen nicht ersetzen, aber sie kann helfen, es zu erfassen, zu strukturieren und kontextbezogen nutzbar zu machen. Aus Störungsberichten, Sensordaten, Wartungsprotokollen, Schichtnotizen und Experteninterviews können Assistenzsysteme und Trainingsroutinen entstehen. Japan behandelt diese Aufgabe stärker als Produktionsstrategie: beobachten, standardisieren, digitalisieren und in lernfähige Prozesse übersetzen. Deutschland diskutiert KI dagegen häufig noch als Effizienz-, Förder- oder Verwaltungsthema. Die eigentliche Managementaufgabe lautet: kritisches Erfahrungswissen identifizieren, sichern und mit Prozessdaten verbinden. Wer das versäumt, verliert nicht nur Know-how, sondern industrielle Lernfähigkeit. Die unterschätzte Wertschöpfungsfalle liegt darin, Smart Factories zu bauen – und zugleich zu verlernen, wie man wirklich produziert..


