Seite wählen
Executive View

Production Site Resilience Radar

„Die Abwanderung beginnt nicht mit der Schließung eines Werkes. Sie beginnt damit, dass die nächste Investition nicht mehr in Deutschland stattfindet.“

Klaus Wessing Vorstand, infpro – Institut für Produktionserhaltung

Das Production Site Resilience Radar untersucht, ob Produktionsstandorte noch tragen – bevor Entscheidungen unumkehrbar werden.

Lesedauer: 3 Minuten Format: Executive Insight Stand: Juni 2026 Zielgruppe: Vorstand, Geschäftsführung, Produktionsleitung
Executive Assessment

Würden Sie heute erneut in Ihren Produktionsstandort investieren?

Das Produktionsstandort-Radar unterstützt Geschäftsführungen dabei, die Zukunftsfähigkeit ihrer Standorte systematisch zu bewerten – bevor Investitionsentscheidungen unumkehrbar werden.

In rund 20 Minuten erhalten Sie eine strukturierte Einschätzung zu Standortqualität, Zukunftsdruck, Verwundbarkeit und Investitionsattraktivität. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine vertiefte Executive Interpretation.

Dauer: ca. 20 Minuten Format: Executive Assessment 24 Kapitel · 90 Fragen Zielgruppe: Vorstand, Geschäftsführung, Produktionsleitung
Produktionsstandort-Check starten Jetzt zum Executive Assessment →

Die Vermessung des Produktionsstandortes

Die Zukunft von Produktionsstandorten entscheidet sich nicht erst in dem Moment, in dem ein Werk geschlossen wird. Sie entscheidet sich früher – wenn Investitionen ausbleiben, Modernisierung verschoben wird und Unternehmen beginnen, ihre industrielle Zukunft anderswo zu verorten. Das Production Site Resilience Radar des Instituts für Produktionserhalten - infpro - versucht, diese Entwicklung sichtbar zu machen, bevor aus schleichenden Veränderungen unumkehrbare Tatsachen werden.

Die Debatte beginnt oft zu spät

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten wirtschaftspolitischer Debatten, dass sie meist mit großer Ernsthaftigkeit geführt werden, wenn die Entscheidung im Grunde bereits gefallen ist. Werden Werke geschlossen, Produktionslinien verlagert oder milliardenschwere Investitionen anderswo angekündigt, beginnt die Suche nach den Ursachen. Zu hohe Energiekosten. Zu viel Bürokratie. Zu wenig Fachkräfte. Zu langsame Genehmigungen. Die Liste ist vertraut. Weniger vertraut ist die Frage, weshalb viele Unternehmen diese Entwicklungen zwar beobachten, sie jedoch selten systematisch in ihre eigenen Standortentscheidungen übersetzen.

Vielleicht liegt das daran, dass geeignete Instrumente fehlen. Das Institut für Produktionserhaltung, infpro, hat deshalb ein Werkzeug entwickelt, das auf den ersten Blick wie ein Fragebogen wirkt, tatsächlich aber eher einem strategischen Frühwarnsystem ähnelt. Der deutsche Arbeitstitel lautet Produktionsstandort-Radar. Der englische Name beschreibt den Anspruch präziser: Production Site Resilience Radar – Executive Assessment.

Mehr als ein weiterer Benchmark-Bericht

Die meisten bekannten Analyseinstrumente großer Beratungshäuser verfolgen eine andere Logik. Sie messen Standortattraktivität, vergleichen Kostenstrukturen oder ordnen Investitionsoptionen entlang von Risiko-Rendite-Profilen. Das Ergebnis sind häufig Portfolio-Matrizen, die Klarheit suggerieren und Handlungspfade vorzeichnen.

Das Production Site Resilience Radar setzt früher an. Es untersucht die Voraussetzungen, die einen Standort überhaupt investierbar machen. Wirtschaftlichkeit, Fachkräfte, Erfahrungswissen, Regulierung, Infrastruktur, Lieferketten, Finanzierung, Technologie, Skalierbarkeit, Markt und Management werden nicht isoliert betrachtet. Erst ihre Wechselwirkungen entscheiden darüber, ob ein Produktionsstandort unter veränderten Bedingungen tragfähig bleibt.

Klaus Wessing, Vorstand von infpro, beschreibt die Motivation hinter dem Instrument so: „Die Abwanderung beginnt nicht mit der Schließung eines Werkes. Sie beginnt damit, dass die nächste Investition nicht mehr in Deutschland stattfindet. Wenn Unternehmen Modernisierung, Erweiterung oder neue Produktlinien zunehmend anderswo ansiedeln, verliert ein Standort seine Zukunft lange bevor dies öffentlich sichtbar wird.“

Das Institut verstehe sich als Anwalt des Produktionserhalts in Deutschland. „Wir wollen weder Alarmismus noch Schönfärberei. Es geht darum, die industrielle Substanz sichtbar zu machen. Was trägt noch? Wo entstehen Risiken? Wo muss gehandelt werden?“, sagt Wessing.

Die Lehren aus Northvolt und Intel

Die Aktualität dieser Fragen zeigt sich an zwei prominenten Beispielen. Northvolt galt lange als europäische Erfolgserzählung. Batteriezellen aus Schweden sollten technologische Souveränität schaffen und eine strategische Abhängigkeit reduzieren. Doch Produktionshochlauf, Kapitalbedarf und operative Realität entwickelten sich anders als erwartet. Die Insolvenz zentraler Unternehmensteile machte deutlich, wie anspruchsvoll die Gleichzeitigkeit aus Skalierung, Finanzierung und Marktentwicklung tatsächlich ist. Die Idee war nicht falsch. Die Umsetzung erwies sich als schwieriger als angenommen.

Auch das Intel-Projekt in Magdeburg wurde zunächst als industriepolitischer Befreiungsschlag gefeiert. Milliarden an Fördermitteln sollten Deutschland wieder auf die Landkarte strategischer Halbleiterproduktion setzen. Spätere Verzögerungen und strategische Neubewertungen machten jedoch deutlich, dass selbst hohe Subventionen keinen tragfähigen Standort garantieren. Geschwindigkeit, Energieversorgung, Fachkräfte und regulatorische Verlässlichkeit lassen sich nicht beliebig ersetzen.

Was Vorstände tatsächlich erhalten

Bemerkenswert ist deshalb weniger die Tatsache, dass ein Fragebogen ausgefüllt wird, sondern das Ergebnis, das daraus entsteht. Der Vorstand erhält keine abstrakte Punktzahl und keinen weiteren Foliensatz für die Schublade. Vielmehr verdichten sich die Antworten zu einem Executive Management Report, der die Tragfähigkeit eines Standorts in mehreren Perspektiven sichtbar macht.

Was der CEO erhält

Der Executive Management Report verdichtet die Antworten zu einem Standortindex, einem Risikoindex, einer Bewertung der Zukunftsfähigkeit, einer Heatmap kritischer Handlungsfelder, einem Radarprofil über elf Dimensionen und einer konkreten Managementempfehlung: investieren, absichern, transformieren oder Alternativen prüfen.

Ein Standortindex beschreibt die grundsätzliche Belastbarkeit. Ein Risikoindex macht Verwundbarkeiten sichtbar. Die Bewertung der Zukunftsfähigkeit zeigt, wie gut ein Standort auf technologische und strukturelle Veränderungen vorbereitet ist. Heatmaps markieren kritische Handlungsfelder, Radarprofile visualisieren die elf Bewertungsdimensionen, und eine Managementempfehlung übersetzt die Erkenntnisse in konkrete Handlungsoptionen – investieren, absichern, transformieren oder Alternativen prüfen.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Innovation des Instruments. Es ersetzt das Bauchgefühl nicht. Es strukturiert es. Produktionsstandorte scheitern selten an einem einzigen Faktor. Sie verlieren ihre Zukunft schrittweise – durch unterlassene Investitionen, wachsende Abhängigkeiten und die Hoffnung, dass sich strukturelle Probleme irgendwann von selbst lösen werden.

Die richtigen Fragen zur richtigen Zeit

Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, wo Produktion am billigsten ist. Sie lautet, wo industrielle Wertschöpfung künftig noch verlässlich, lernfähig und investierbar bleibt. Das Production Site Resilience Radar liefert darauf keine endgültige Antwort. Aber es zwingt dazu, die richtigen Fragen zu stellen – und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft eines Standorts noch gestaltet werden kann. Genau darin könnte sein größter Wert liegen.

Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, wo Produktion am billigsten ist. Sie lautet, wo industrielle Wertschöpfung künftig noch verlässlich, lernfähig und investierbar bleibt.