TACIT
KNOWLEDGE
Neues Impulspapier

Die unterschätzte Wertschöpfungsfalle

Die Industrie investiert Milliarden in KI und Smart Factory. Doch eine zentrale Ressource verlässt vielerorts lautlos die Betriebe: das Erfahrungswissen der Babyboomer. Warum Japan Produktionswissen systematischer organisiert – und Deutschland genauer hinsehen sollte.
„Wertschöpfung entsteht dort, wo Technologie auf Erfahrung trifft.“
12,9 Mio. Erwerbspersonen erreichen bis 2036 das Rentenalter.
39 % der Kernkompetenzen verändern sich laut WEF bis 2030.
Japan organisiert Produktionswissen stärker über Gemba, Standards und KI.

Tacit Knowledge und KI

Wenn Meister, Einrichter und Instandhalter die Betriebe verlassen, verschwindet häufig mehr als Personal.

Das Impulspapier von Klaus Wessing zeigt, warum Erfahrungswissen zum Produktions- und Wertschöpfungsfaktor wird – und weshalb KI nur dort hilft, wo Unternehmen zuerst verstehen, was ihre erfahrensten Leute eigentlich wissen.

Klaus Wessing
Vorstand Institut für Produktionserhaltung

Management Summary – Tacit Knowledge und KI: Warum Erfahrungswissen zum Produktionsfaktor wird

Deutschland steht vor einer industriepolitischen Zäsur. Global fragmentierte Märkte, technoloManagement Summary: Die unterschätzte Wertschöpfungsfalle Industrieunternehmen investieren in KI, Sensorik und Smart Factory, doch eine zentrale Ressource entzieht sich oft dem Blick: das Erfahrungswissen der Facharbeiter, Meister und Instandhalter. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer verliert die Industrie nicht nur Arbeitskräfte, sondern Produktionsgedächtnis.

Dieses implizite Wissen entscheidet über Qualität, Ausschuss, Rüstzeiten, Stillstände, Lieferfähigkeit und Marge. Das Problem ist nicht neu; Ausbildung, Meistersystem, Standards, Kaizen und Lessons Learned dienten schon immer dem Wissenstransfer. Neu ist die Größenordnung: Ganze Jahrgänge verlassen die Betriebe, während Anlagen komplexer und Personaldecken dünner werden.

Künstliche Intelligenz kann dieses Wissen nicht ersetzen, aber sie kann helfen, es zu erfassen, zu strukturieren und kontextbezogen nutzbar zu machen. Aus Störungsberichten, Sensordaten, Wartungsprotokollen, Schichtnotizen und Experteninterviews können Assistenzsysteme und Trainingsroutinen entstehen. Japan behandelt diese Aufgabe stärker als Produktionsstrategie: beobachten, standardisieren, digitalisieren und in lernfähige Prozesse übersetzen.

Deutschland diskutiert KI dagegen häufig noch als Effizienz-, Förder- oder Verwaltungsthema. Die eigentliche Managementaufgabe lautet: kritisches Erfahrungswissen identifizieren, sichern und mit Prozessdaten verbinden. Wer das versäumt, verliert nicht nur Know-how, sondern industrielle Lernfähigkeit. Die unterschätzte Wertschöpfungsfalle liegt darin, Smart Factories zu bauen – und zugleich zu verlernen, wie man wirklich produziert..

Audio Impuls

Die Digitalisierung des menschlichen Bauchgefühls

Wie verändert Künstliche Intelligenz Projektmanagement und Wissensarbeit bis 2030? Der Audio-Impuls zeigt, warum Automatisierung zwar Routinen entlastet, menschliches Urteil, Erfahrung und Verantwortung aber wichtiger werden – besonders dort, wo implizites Wissen in Unternehmen sichtbar und nutzbar gemacht werden muss.

KI & Tacit Knowledge Projektmanagement 2030 SECI-Modell Human-in-the-Loop
infpro Audioformat · The Debate Style · Für Entscheider in Produktion, Projektmanagement und Wissensarbeit